Wer will schon mit Wulf(en) heulen?

Da wartet man mit Spannung auf die bundesweit angekündigte Stellungnahme unseres Herrn Bundespräsidenten - und wird dann letztlich von diesem als Blödian unmündig abgetan. "Die Bürger setzten aber darauf, dass er im Amt bleibe", zitiert der Spiegel aus seinem denkwürdig (weil öffentlich-rechtlich gesteuertem) Interview vom heutigen Tage. Damit bin ich dann wohl als Unbürger abgetan - denn ich habe kein Interesse daran, dass dieses Amt durch diese Person weiter in Mißkredit gezogen wird.
 
Klar, als es zunächst nur um die Details zu seinem "Privatdarlehen" ging, war ich auch der Meinung, dass dies auch eher "Privatsache" sei - wenn auch angesichts der Funktion (seinerzeit ja noch Ministerpräsident meines frühren Heimatlandes) mit einem Beigeschmack ähnlichem dem, der einen nach übereifrigem Alkoholgenuss auf der Zunge liegt.
 
Doch dass sich der Herr Wulf in seiner Position des ersten "Mannes" dieses Landes erdreistet, in Provinzfürstenmanier auf Artikel 5 des Grundgesetztes Einfluss zu nehmen, das war dann für mich doch zuviel. Da nützt dann auch keine ach so fein (von wem eigentlich) formulierte Entschuldigung, nachdem der Wulf, pardon - das Kind, in den Brunnen gefallen ist. Da hätte wohl jemand ein paar Wochen früher sein Hirn (oder eine bessere Management-Rotte) einschalten sollen ...
Das sollte übrigens auch ein anderer - unser roter Sigmar. Jetzt wettert er gegen CDU-Mann Wulf und CDU-Vorzeigefrau (weil Kanzlerin) Merkel.  Dabei hat der sich in seiner Rolle als Landesvater (Niedersachsens - die andere Position dürfte hoffentlich Wunschdenken bleiben) ebenfalls desöfteren nicht mit sozialdemokratischem Ru(h)m bekleckert. Doch eines muss man ihm (dem Sigmar) lassen: Er hat nicht mit den Wulf(en) getanzt und die Presse bedroht. Nein, keinesfalls - er hat da eher den roten Schal unter dem Revers versteckt, um sich nicht mit Verlagen anlegen zu müssen - auf Kosten der einstigen SPD-Wählerschaft (oder zumindest Teilen davon).
 
Zurück zum Wulf: "Ich will natürlich besonnen, objektiv, neutral, mit Distanz als Bundespräsident agieren", hat er im Öffi-Interview laut Spiegel gesagt. Das ist doch auch gut so - nur habe ich so meine Bedenken, dass das auch so gelingen wird. Besonnen, neutral und mit Distanz betrachtet würde ich sagen: Das war´s, Herr Wulf. Als Unbürger (siehe oben) lege ich Ihnen aufgrund der Pressebedrohung und der Vorgänge nach Offenlegung Ihrer Leichen im Keller (diese selbst sind für mich weniger ein Grund, schließlich hat fast jeder soetwas vorzuweisen) einen besonnenen Rücktritt und künftige Distanz zu politischen Ämtern nahe. Auch Kevin Costner mag schon lange nicht mehr mit den Wulf(en) tanzen ...
 
Und ein Rücktritt böte auch einen Hoffnungsschimmer: Denn vielleicht versieht der in den Medien als potentieller Nachfolger wieder ins Spiel gebrachte Joachim Gauck dem Amt mehr Würde - oder zumindest wohlfeine Unterhaltung. Schließlich verspricht die Wortspielerei zum Gaukler (vgl. Wikipedia) heitere Momente für die Bundesrepublik, als es die Wulf-Aera zuließ ...